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Liebe Oma, erzähl doch mal...

Euer Opa und ich, wir haben im November 1954 geheiratet und ein Jahr darauf, im April 1955 haben wir den alten Bacherhof im letzten Winkel von Neuberg übernommen. Der Opa war damals Holzknecht und ich arbeitete im Haushalt und kümmerte mich um Hof und Tier.

Im Bauernhaus gab es keine Heizung und kein elektrisches Licht. Da wurde es schon mal kalt, wenn der Schnee draußen stöberte. Wohl hatten wir ein Rinnsal (kleines fließendes Gewässer) mit Holzrohr, wo das eigene Quellwasser in die Küche rann. Ich bin sehr stolz, dass meine Nachkommen heute noch Wert auf das heimische, frische Bergquellwasser legen. Das gesamte Hotel wird von eigenen Wasserquellen versorgt. Wasser von den Filzmooser Bergen ist halt immer noch das Beste.

Morgens und abends gingen wir mit einer Laterne zum Melken in den Stall. Das Melken der Kühe haben wir damals noch mit der Hand gemacht. Wir hatten 6 Kühe, Schafe und Hühner, Kalbinnen und ein Pferd, dieses brauchten wir im Sommer zum Heu einfahren und zum Holz einfahren aus dem Wald.

Bald wurde beschlossen, dass die elektrische Freileitung gebaut werden musste, um endlich Strom zu bekommen. Da leisteten unsere Männer wahrlich harte Arbeit. Die Mastenlöcher für die Stromleitung wurden mit der Schaufel ausgeschöpft. Am 14.12.1955, exakt zu meinem Geburtstag, kam der Strom und wir hatten von da an Licht. Das war ein schönes Geburtstagsgeschenk! Kaum zu glauben, dass es erst ein paar Jahrzehnte her ist, dass die Modernität in unsrem Haushalt Einzug gehalten hat. Zuerst kam das Bügeleisen, 1957 eine Waschmaschine und noch später eine Melkmaschine sowie Wassertränker für die Kühe. Das war eine große Arbeitserleichterung. Wir modernisierten 4 Fremdenzimmer (Gästezimmer), kaum zu glauben, dass das Hotel heute 53 Zimmer und 4 Ferienwohnungen hat und 160 Personen unterbringt. An das war früher nicht zu denken. Ich bin sehr froh, dass wir die Leidenschaft zur Gastronomie an unsere Kinder und Enkelkinder weitergegeben haben.

1964 bauten wir einen kleinen Schi-Schlepplift neben dem Bauernhof, ungefähr 350 Meter lang. Damals war das für uns eine große Investition. Wenn ich zurückdenke an diese Zeit, ist es kaum zu glauben, dass die Skigäste heute in Sesselliften mit Sitzheizung auf den Berg fahren und mit einem Skiticket rund 760 Pistenkilometer befahren können. In meiner Schublade liegt immer noch die Klammermaschine, mit der wir die Löcher in die Skikarten zwickten um die Fahrten zu zählen. Und weil es noch keine Pistengeräte gab, galt es für uns und unsere Kinder früh aufzustehen und vor Liftbetrieb die Piste zu präparieren. Gemacht haben wir das mit den 2 Skiern unter unseren Füßen. Bergauf und bergab haben wir den Schnee flach getreten.

Auch die Pferdeschlitten aus Filzmoos kamen über die Straße zu uns nach Neuberg. Das waren noch spektakuläre Fahrten, denn durch den Tiefschnee konnte es schon mal holprig werden. Und weil es damals keinen Schneepflug gab, waren es auch die Pferdeschlitten, die für die „Räumung“ bzw. das Freimachen der Wege zuständig waren. Heute ist die Pferdeschlittenfahrt in die Hofalm ein einzigartiges Wintererlebnis und wirklich empfehlenswert. Auch in Neuberg bieten wir mittlerweile eine Rundfahrt mit dem Pferdeschlitten an. Jeder, der bei uns in Filzmoos Urlaub macht, sollte eine Pferdeschlittenfahrt unbedingt mal ausprobieren.

1959 bekamen wir das erste Auto – einen Fiat 1100. Das war ein Spaß, sag ich euch! Opa baute einen Schneepflug aus dicken Brettern, welcher am Fiat befestigt wurde und räumte so den Hof. Sein Vater saß hinten auf dem Pflug, weil es ein Gewicht brauchte. Sonst hätte es den Pflug ausgehoben. Außerdem mussten die Männer auch viel zur Schaufel greifen, denn Schneefräsen und Traktoren wie heute gab es in den 60er Jahren noch nicht.

Vor 1959 fuhren wir immer am Sonntag mit Pferd und Kutsche zur Kirche. Man konnte dort das Pferd unterstellen und nach der Kirche ging es meistens ins Gasthaus. Da wurde ein Beuschel (Ragout aus Innereien) oder Würstlsuppe gegessen. Die Männer tranken ein Bier oder Schnapserl. Da wurde auch der Einkaufszettel für das Notwendigste beim Kaufmann hinterlegt. Der brachte dann den Einkauf am Montag oder Dienstag ins Haus. Wir waren zum Teil Selbstversorger – so einen Saus und Braus wie in den Supermärkten und große Auswahl gab es nicht.

Ich war beim Trachtenverein. Wie gern habe ich die volkstümliche Musik! Als Mitglied im Trachtenverein marschierte ich bei vielen Festen mit. Maskenbälle waren sehr beliebt. Discos, wie heute, gab es nicht. Auch den Opa Sepp habe ich auf einem Maskenball kennengelernt. Wir gingen auf Hochzeiten, Schuhplattler- Abende, zu Eisstock-Turnieren und vielleicht auch mal zu Faschings- oder Feuerwehrbällen. Gerne hat man Witze erzählt, lustige Geschichten von Abenteuern und dazu das ein oder andere Gläschen getrunken. Es war eine schöne Zeit.

Vieles könnte ich erzählen, aber dazu reicht der Platz leider nicht. Viele sagen: „Früher war alles besser“. Das kann ich so nicht sagen.
Früher war die Arbeit anstrengender und alles hat länger gedauert.

Die Winter waren hart, das Leben war nicht einfach. Doch eines darf man nicht vergessen – den Spaß
und die lustigen Stunden, die man stets miteinander verbracht hat. Vor allem aber, waren wir zufrieden. Zufrieden mit dem, was wir hatten.

Mein Tipp: Nehmen Sie sich Zeit für sich. Zeit für die Liebsten und die Familie. Heute vergisst man oft, dass die Zeit, die man gemeinsam verbringt, so wichtig ist. Also, was ist es wirklich was zählt? Egal wo man auf der Welt zuhause ist, es sind die Liebe, die Harmonie und die gemeinsam erlebten Momente, die uns verbinden und an die wir uns gerne zurück erinnern. Einfach zufrieden sein, mit den schönen Dingen, die nicht viel kosten und oft wenige Worte brauchen. Nehmt euch die Zeit! Vielleicht im Winterurlaub in Neuberg?

Ich freue mich auf viele zufriedene Gäste!
Eure Oma, Eva Reiter

Familie Reiter
Oma mit Angelika, Martin und Alexandra
Oma Reiter, eine interessante Frau!

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